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Startseite | Fragen und Antworten | Die neue DIN EN ISO 22476-2 - das Ende des "Künzelstabs"?

Das Ende des "Künzelstabs"?

Die zuletzt 2002 aktualisierte DIN 4094-3, in der die verschiedenen Rammsondierungen definiert wurden, ist seit Einführung der umfangreicheren DIN EN ISO 22476-2 im Jahr 2005 nicht mehr gültig.

In den neuen Vorschriften wurde u.a. die neuen überschweren Sondierungen (DPSH) aufgenommen - die DPL-5, also der am Bau weit verbreitete so genannte "Künzelstab", fiel der neuen DIN jedoch ersatzlos zum Opfer. Seitdem gilt nur noch die "normale" DPL, nach wie vor mit 10-kg-Fallgewicht, aber einem Spitzenquerschnitt von 10 cm².

5 cm², 10 cm²... wo liegt der Unterschied?

Zum einen ist der Künzelstab ein z.B. im Kanalbau weit verbreitetes und seit langem etabliertes (Eigen-) Kontrollinstrument. Für die gängigsten Böden liegen dementsprechend bewährte und anerkannte Richtwerte vor, um die Verdichtung und Tragfähigkeit von Verfüllungen zu beurteilen.

Für die DPL (noch) nicht.

Nicht zu vernachlässigende Folge der größeren Querschnittsfläche sind die bei gleichem Rammgewicht höheren Schlagzahlen. Und damit auch ein höherer Zeit- und Kostenaufwand. Ein Beispiel: für einen gut verdichteten Bodentausch gegen RC-Material sind für die DPL-5 Schlagzahlen von 30 oder mehr Schlägen nicht selten.

Und mit 10-cm²-Spitzen?

Auch muss die Praxis zeigen, welche Sondiertiefen mit dem verhältnismäßig geringen Fallgewicht bei einer doppelt so großen Querschnittsfläche erreicht werden können.

Und die Folge für die Praxis?

Wenn es im Leistungsverzeichnis nicht eindeutig formuliert ist sollte immer für das jeweilige Vorhaben mit dem Bauträger geklärt werden, ob er für Verdichtungsnachweise den Künzelstab nach den Vorgaben der alten DIN 4094-3 weiter zulässt oder die DPL in der Form, wie sie die neue Norm vorschreibt, fordert. Dann jedoch sollte der AG auch die geforderten Schlagzahlen gleich mit angeben.

Und zu guter Letzt: auch in aktuellen Ausschreibungen wird z.T. nach wie vor die DPL-5 als Prüfverfahren gefordert. Es gab - und gibt - eben gute Gründe für den an der Baupraxis orientierten Künzelstab.

 

Übrigens...

Beratender Geowissenschaftler

Näheres zum Titel Beratender Geowissenschaftler BDG finden Sie unter der Rubrik "Fragen und Antworten".